Volkswirtschaftliche Fakultät
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Adrian Dunskus

Selbständiger PR-Berater, Diplomjahrgang 1988

VWL habe ich studiert, weil mich, seit ich denken kann, interessiert hat, wie Wohlstand entsteht, und unter welchen Bedingungen Menschen ihr Bestes geben. Nach dem Abitur 1977 an der Deutschen Schule Tokyo hatte ich zunächst vor, den neuen Studiengang Wirtschaftsjura in München zu belegen. Weil das erst zum Wintersemester 1980 möglich sein sollte, habe ich von 1978 bis 1980 eine Banklehre absolviert. Als es ans Einschreiben ging, erfuhr ich, dass Wirtschaftsjura nicht in München, sondern in Passau geben würde. Dorthin wollte ich nicht, weil mir Passau zu wenig Großstadt war – damals vielleicht noch als Standpunkt verständlicher als heute. Also blieb ich in München und studierte VWL. Während des Grundstudiums erwies sich die vorangegangene Lehre als nützlich: Im Gegensatz zu meinen „ungelernten“ Kommilitonen hatte ich schon eine Vorstellung, wohin in der wirtschaftlichen Realität vieles von dem gehörte, was uns die Professoren und Dozenten erzählten. Bedauert habe ich damals im Grundstudium, dass sich die Lehre eher an der fachlichen Systematik als an der praktischen Lebenserfahrung orientierte: Es fehlte der problemorientierte Zugang zur Ökonomik. Gut gefallen hat mir die philosophische Offenheit an der Fakultät: Man durfte „warum?“ fragen, eigentlich ein Kernmerkmal der akademischen Ausbildung überhaupt, aber nicht in allen Fächern gleichermaßen gelitten. Irgendwann um die Zwischenprüfung herum ergab sich dann die Möglichkeit, für den Bayerischen Rundfunk zu arbeiten. Rückblickend habe ich in meinem beruflichen Leben, wenn ich die Wahl hatte, mich immer für die Risikooption entschieden. Der Journalismus begeisterte mich, und ich erinnerte mich, dass ich schon mit acht Jahren eine Zeitung gebastelt hatte, mit zwölf die erste und mit 14 die zweite Schülerzeitung gegründet und später als Chefredakteur des „Wiwi-Service“ (heute der „Wasti“) gearbeitet hatte. Warum war ich nicht gleich Journalist geworden? Das hing wohl mit meiner Lebensgeschichte zusammen: Von 1973 bis 1978 war ich mit meinen Eltern in Tokyo. An deutschen Presseerzeugnissen gab es zu Hause nur die FAZ, in der damals noch unerreichbare Federn wie Jürgen Eick veröffentlichten. So wirst Du nie schreiben können, wusste ich, nahm die damalige FAZ pars pro toto für den Journalismus insgesamt und verwarf früh den Traum vom schreibenden Beruf. Die Leidenschaft aber blieb. Und dann wurde er doch möglich: In der Wirtschaftsredaktion des BR herrschte permanenter Mangel an halbwegs fachkundigen Schreibern. Es gab da wohl so etwas wie eine doppelt negative Selektion: Wer schreiben mochte, studierte nicht unbedingt Wirtschaft, und wer Wirtschaft studierte, der schrieb nicht gern, sondern entscheidet lieber. Diese Lücke ließ Platz für mich, und ich hängte das Bankerdasein ohne viel Nachdenken an den Nagel. Die nüchterne, manchmal mögen Kollegen aus anderen Redaktionen gedacht haben: kalte, Analyse, wie ich sie im Studium gelernt hatte, kam mir zupass. Das Beurteilen wirtschaftlicher Vorgänge, wirtschaftspolitischer und unternehmerischer Entscheidungen bot mir ein weites Betätigungsfeld. Nach zehn Jahren indes stellte sich so etwas wie Langeweile ein: Irgendwie hatte ich alles „durch“. Da ergab sich die Möglichkeit, in die Industrie zu wechseln. Die neu erstehende Mobilfunkbranche brauchte Kommunikationsfachleute, am besten solche, die interkulturelle Erfahrung mitbrachten, denn manche der neuen Unternehmen waren internationale Gemeinschaftsgründungen. Nach zehn Jahren kluger Reden über Unternehmen reizte mich ein „reality check“ am Objekt selbst. Drei bis sechs Monate lang, dachte ich, würde ich Urlaub vom Journalismus nehmen. Es wurden fünf Jahre. Der Journalismus sah mich kurz während einer Übergangszeit wieder, seit bald sieben Jahren bin ich jetzt aber praktisch ausschließlich als selbständiger Fachmann für Unternehmenskommunikation tätig. Was blieb vom Studium? Wahrscheinlich die Fähigkeit, wenn schon nicht die richtigen Antworten zu geben, dann doch die richtigen Fragen zu stellen. Was blieb von dem, was mich zum Studium bewegt hatte? Der beständige Antrieb herauszufinden, wie Wohlstand entsteht, und davon zu erzählen. Das ist eine Konstante in meinem beruflichen Leben, vielleicht die einzige.